ich sitzte im bus und starre aus dem Fenster, vor meinen Augen zieht, nein fliegt die Landschaft vorbei… kühe, ziegen, Schafe, Lamas, berge, Täler, bäume, Felder - was auch immer - vor meine augen verschwimmt das alles zu etwas Fremden und meine Gedanken ziehen noch schneller, als diese Landschaft da, von einem meiner Freunde zu hause zum anderen, bleiben bei einem hängen, graben sich tief hinein in die Vergangenheit. ich versuche sie loszureißen, betrachte eins dieser leeren toten Dörfer an der Strasse etwas genauer, sehe nichts als einsamkeit in einer frau, die alleine zwischen den Feldern auf ein unbekanntes ziel zugeht..
und trotzdem muss ich meine tränen runterschlucken, die zu irgendeinem song den ich schon 100 000 mal einfach so gehört habe und der plötzlich, wie es mir jetzt scheint, meine Gefühle und meine Situation genau beschreibt wieder meinen hals hochkriechen, meine nase zum laufen bringen und mir dieses tolle Gefühl tiefer Unverstandenheit, unlösbaren tiefen tragischen Zwiespalts im Grunde meiner Seele, der mich zu dem bemitleidenswertesten Geschöpf der welt macht, dem nichts und niemand je wieder aus dem Glaskasten in dem es sitzt, eingeschlossen, verdammt dazu bis ans ende seines lebens den anderen dabei zuzusehen, wie sie glücklich sind, befreien kann. -abartige Überbewertungen meiner selbst-
Tage im Bus, an denen man in seinen melancholischen Gedanken badet, sich weidet an so tollen Wörtern wie Seelenzustand, Einsamkeit, Tragik, Selbstaufgabe, Zerrissenheit sind es aber nicht, die das Heimweh bringen, die genießt man, fühlt sich so wichtig, so anders als alle, so besonders…
Es sind die augenblicke in denen man mit 30 kilo gepäck zum bus hetzt, nachts ewig ein paar schuhe sucht nur um mal schnell aufs klo zu gehen, zum 20.mal reis mit schwarzen bohnen isst, sich vor dem pinkeln auf einem rastplatz erstmal die hose bis zu den knien hochkrempelt, nachts mit seinem fließ ins bett geht oder 7 stunden lang in einem minibus mit angezogenen beinen und kopfschmerzen wegen fehlender kopfstütze sitzt und mein aussteigen an der nichtmehr möglichen bewegung der knie merkt, dass man ja doch schon 20 ist… das sind die momente, diese banalen kleinen unbequemlichkeiten, in denen man sich danach sehnt morgens mit seinem schlafanzug und barfuss runter zu gehen uns sich einen kaffee zu machen um dann ein bisschen vor dem ferseher weiter zudösen und dann ganz gemütlich eine heiße dusche zu nehmen und danach die wahl zu haben ob man noch ein bisschen in Unterwäsche im zimmer rumtanzt oder frühstücken und dabei eine zeitschrift durchblättern will…
und wenn man morgens alleine am Tisch sitzt, zu Hause,barfuss, im Schlafanzug und sich zum 20. mal die eine langweilige oberflächliche Zeitschrift anguckt mit der Aussicht auf einen Tag, der zwar sicherlich nicht stessig wird, an dem man sich nicht auf einer fremden Sprache mit jemandem wegen einer 2 stündigen Verspätung des Busses streiten muss, der einen aber sicher auch nicht über eine der schönsten Straßen der Welt oder durch einen der traurigsten, kleinen Orte führt, der dich sicher nicht dazu anregen wird dich zu fragen ob das was man alltäglich zu hause für selbstverständlich hält so selbstverständlich ist, der einfach ein Tag sein wird wie jeder andere… dann weißt du, warum du das alles, diese ganzen Bequemlichkeiten gar nicht mehr so wichtig findest wenn du sie dann hast