ich beginne also den rest meines Urlaubs mit dem Taj Mahal.
Das war eigentlich ein guter Plan. Aber ich habe Indien vergessen. Heimtueckisches Indien.
Wer haette das wissen koennen. Ich jedenfalls nicht. Aus mehreren Gruenden: zum einen habe ich den ueberblick verloren, ich weiss zwar welches Datum ist, das verraet meine Uhr mir, aber wen interessiert im Urlaub schon der Wochentag. zum anderen ist meine Ignoranz wohl ziemlich grenzenlos, wahrscheinlich generell und im Moment noch mehr, da ich so mit mir selber bzw. mit uns beschaeftigt bin, dass alles andere mein Interesse kaum zu wecken mag.
Ich wusste es also nicht, deshalb waren wir FREITAGS IN AGRA. Freitags in Agra, der Stadt in der der Taj Mahal steht, eines der beruehmtesten Bauwerke der Welt, auf unzaehligen Postkarten und Bildern verewigt, geruehmt, angebetet, ohne Frage ueberschaetzt und verklaert, aus weissem Marmor, in beispielloser Symetrie errichteter wundervoller Taj Mahal.
Erbaut von irgendwem fuer die Irgendwems Liebslingsfrau als Mausoleum. wen interessierts. Irgendwem hatte wohl irgendwas mit den Mogulen zu tun. wen interessierts. und, dass die mogule dem Islam angehoeren. und Muslime in Moscheen beten. eine Moschee neben dem tollen Verschwendungsbauwerk steht in dem Muslime beten. wen interessiert das eigentlich?
Ach grenzenlose Ignoranz… Muslime, die beten gerne freitags. die beten gerne freitags in ruhe in ihrer lieblings Moschee neben dem Taj Mahal. ganz in Ruhe, ungestoert, alleine. Tore zu!
Freitags in Agra, das Motto dieser Reise.
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Subjekt-Objekt-Überreaktion.
Aufklärung ist der Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit. I. K.
Die Überhöhung eines Mannes, der seine Liebste verliert, in seinem Kummer die (ihm damals bekannten) wertvollsten Baustoffe herbeitragen lässt und seiner Liebe ein so großes Monument setzt, dass seine Schönheit nur noch seinen Gram mehrt – das verbinde ich mit dem Taj Mahal. Und den krassen Kontrast zu den Ärmsten, die in Sichtweite auf den Feldern Ratten jagen. Ich bin ehrlich erwartungsvoll, wie es sich wirklich anfühlt, wenn ich einmal dort sein darf. Wenn, wird es ein Freitag sein.