19.8.10 – Jaipur

eine Zusammenfassung, ein zwischen Fazit, eine Bestandsaufnahme, ein Rueckblick auf diese Reise bis hierher? Oder auch nicht, vielleicht eher der Versuch mir darueber klarzuwerden wie es mir geht, wie es mir ging, ob ich hier sein moechte ob ich hier sein wollte.
Was ist Indien fuer mich? Mag ich es? Ich weigere mich hartnaeckig und die meiste Zeit mit Erfolg mir selber einzugestehen, dass ich es nicht leiden kann, dass ich es hasse, dass ich mich hier nicht wohl fuehle, dass ich mich nicht zurecht finde und es nicht geniessen kann. Warum kann ich das nicht? Erstmal ist es mir unmoeglich nicht daran zu denken, dass alle anderen es anscheinend total toll finden. das bedeutet dann wohl, dass es an mir liegt, nicht am Land, dass meine Einstellung zu diesem Land daran Schuld ist, dass ich es nicht mag. Un d ich will iegentlich gar keine Einstellung haben, ich will mir keine Meinung bilden. Das hiesse ja ich staende ausserhalb, abseits und wuerde mir das alle einfach nur anschaun, ich will es aber doch erleben, aufnehmen. Aber das scheit mir nicht mehr moeglich zu sein. So genau weiss ich nicht, wann ich dicht gemacht habe, wann ich mich verschlossen habe fuer Indien, wann ich angefangen habe zu beobachten, zu sagen “oh wie schoen ein bunter Sari, oh schau ein Kamel” und aufgehoert habe dabei irgendetwas zu empfinden. Ich bin mir nicht sicher wann ich angefangen habe mich auf alles negative zu konzentrieren, ab wann ich wo immer ich war eine Bestandsaufnahme des Schmutzes, der Unvollkommenheit, des Stuemperhaften zu machen. Und ich wiess nicht ob ich damit aufhoeren kann. Wie gesagt ich weigere mich mir das einzugestehen.
Frag mich wie mei Urlaub ist und ich werde ausweichend sagen “ja ganz gut nicht so wie ichs mir vorgestellt habe. Indien ist wirklich unglaublich.” Warum kann ich nicht zu geben, dass ich Indien am liebsten in den Arsch treten wuerde, so jetzt reichts, lass mich in Frieden.
Und dann die Reise ab hier nochmal neu beginnen.
Naja versuchen wir es halt. Ich beginne den Rest meines Urlaubs morgen, mit dem Taj Mahal!

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Eine Antwort auf 19.8.10 – Jaipur

  1. Ralf sagt:

    Indien mit einem verklärungsfreien Blick betrachtet, Selbsterfahrung in Indien ganz unmetaphysisch.
    Sobald man Indien braucht, weist es einem seine überbevölkerte, arme Schulter und bringt einen auf unangenehme Weise weg vom Hoffen auf Gleichheit auf der Basis der Schwachen. Die einfache Selbsterhaltung wird nebenbei zu einer Marter des Gefühls sozialer Gerechtigkeit. Die Gegensätze und Mängel werden dort schmerzlich, wo die eigene Existenz nicht mehr in der touristischen Distanziertheit zu verharren vermag.
    Daraus ergibt sich dann für Dich hoffentlich die Möglichkeit, Dir (frech) für die letzten Tage dort das Beste rauszunehmen.

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