Monatsarchiv für April 2008

Beiträge in diesem Archiv:

 

Heimweh

ich sitzte im bus und starre aus dem Fenster, vor meinen Augen zieht, nein fliegt die Landschaft vorbei… kühe, ziegen, Schafe, Lamas, berge, Täler, bäume, Felder - was auch immer - vor meine augen verschwimmt das alles zu etwas Fremden und meine Gedanken ziehen noch schneller, als diese Landschaft da, von einem meiner Freunde zu hause zum anderen, bleiben bei einem hängen, graben sich tief hinein in die Vergangenheit. ich versuche sie loszureißen, betrachte eins dieser leeren toten Dörfer an der Strasse etwas genauer, sehe nichts als einsamkeit in einer frau, die alleine zwischen den Feldern auf ein unbekanntes ziel zugeht..
und trotzdem muss ich meine tränen runterschlucken, die zu irgendeinem song den ich schon 100 000 mal einfach so gehört habe und der plötzlich, wie es mir jetzt scheint, meine Gefühle und meine Situation genau beschreibt wieder meinen hals hochkriechen, meine nase zum laufen bringen und mir dieses tolle Gefühl tiefer Unverstandenheit, unlösbaren tiefen tragischen Zwiespalts im Grunde meiner Seele, der mich zu dem bemitleidenswertesten Geschöpf der welt macht, dem nichts und niemand je wieder aus dem Glaskasten in dem es sitzt, eingeschlossen, verdammt dazu bis ans ende seines lebens den anderen dabei zuzusehen, wie sie glücklich sind, befreien kann. -abartige Überbewertungen meiner selbst-
Tage im Bus, an denen man in seinen melancholischen Gedanken badet, sich weidet an so tollen Wörtern wie Seelenzustand, Einsamkeit, Tragik, Selbstaufgabe, Zerrissenheit sind es aber nicht, die das Heimweh bringen, die genießt man, fühlt sich so wichtig, so anders als alle, so besonders…
Es sind die augenblicke in denen man mit 30 kilo gepäck zum bus hetzt, nachts ewig ein paar schuhe sucht nur um mal schnell aufs klo zu gehen, zum 20.mal reis mit schwarzen bohnen isst, sich vor dem pinkeln auf einem rastplatz erstmal die hose bis zu den knien hochkrempelt, nachts mit seinem fließ ins bett geht oder 7 stunden lang in einem minibus mit angezogenen beinen und kopfschmerzen wegen fehlender kopfstütze sitzt und mein aussteigen an der nichtmehr möglichen bewegung der knie merkt, dass man ja doch schon 20 ist… das sind die momente, diese banalen kleinen unbequemlichkeiten, in denen man sich danach sehnt morgens mit seinem schlafanzug und barfuss runter zu gehen uns sich einen kaffee zu machen um dann ein bisschen vor dem ferseher weiter zudösen und dann ganz gemütlich eine heiße dusche zu nehmen und danach die wahl zu haben ob man noch ein bisschen in Unterwäsche im zimmer rumtanzt oder frühstücken und dabei eine zeitschrift durchblättern will…
und wenn man morgens alleine am Tisch sitzt, zu Hause,barfuss, im Schlafanzug und sich zum 20. mal die eine langweilige oberflächliche Zeitschrift anguckt mit der Aussicht auf einen Tag, der zwar sicherlich nicht stessig wird, an dem man sich nicht auf einer fremden Sprache mit jemandem wegen einer 2 stündigen Verspätung des Busses streiten muss, der einen aber sicher auch nicht über eine der schönsten Straßen der Welt oder durch einen der traurigsten, kleinen Orte führt, der dich sicher nicht dazu anregen wird dich zu fragen ob das was man alltäglich zu hause für selbstverständlich hält so selbstverständlich ist, der einfach ein Tag sein wird wie jeder andere… dann weißt du, warum du das alles, diese ganzen Bequemlichkeiten gar nicht mehr so wichtig findest wenn du sie dann hast

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Leben

so mal ein bisschen über mein studium und so, damit ich das selber nicht vergessen, wie das so war am anfang…
am anfang von was, läuft das jetzt tatsächlich darauf hinaus, dass ich ärztin werde? ich trau mich das ja fast nicht so zu sagen, das hört sich irgendwie so weit hergeholt an und irgendwie etwas hochgegriffen.
aber darauf läuft es doch hinaus, oder? ich meine wenn ich meinem plan folge… und meinem plan kann ich ja folgen, das ist ja jetzt klar. und das ist ja auch schön einfach. seeehr einfach, wenn man einfach das tut, was man tun soll, das ist wie mit der menge mitlaufen. bloß keine gegenbewegungen, kostet kraft und das schmeißt einen aus der bahn, und wie kommt man dann wieder zurück? was macht man denn dann? einen neuen plan?
schnickschnack… hört sich das jetzt an wie Selbstkritik? ja schon, aber die brauche ich jetzt grade gar nicht, ich bin ja davon überzeugt was ich mache… ich werd Ärztin! ah hilfe ach quatsch ich werd sogar Frau Doktor ahhhhhhhh……. anmaßend hört sich das an. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein vielleicht?
ist schwer zu bekommen, wenn man so wie ich ein treuer Anhänger des Tiefstapelns ist. Aber recht haben die Physiker schon, besonders viel muss man für ein Medizinstudium nicht mitbringen…
man braucht eigentlich nur ein gutes Abi, naja ein mittelgutes, 1,6 reicht auch noch. Man braucht noch eine ziemlich große Portion Ehrgeiz, Willensstärke, ein bisschen Zielstrebigkeit und natürlich die Überzeugung dafür, was man macht. Naja reinprinzipiell reicht das für’s Studium ja schon, man muss ja bloß ein wenig Auswendiglernen, das sollte man ja hinbekommen, das bisschen Bio, Chemie, Physik, Biochemie, Physiologie, Anatomie, Histologie aus der Vorklinik lässt sich ja bewältigen und dann naja, als irgendwie wissenschaftlich kann man das, was in der Klinik kommt ja nicht bezeichnen… also was soll eigentlich der ganze Stress, warum dauert der ganze mist 5 Jahre? kann man das nicht locker in 3 packen? naja und die sozialen Kompetenzen, die man nachher zur Ausübung des Berufes braucht…ach die werden eh überbewertet… man muss ja eh nur hektisch rumrennen und mist erzählen….
wollt ihr mich eigentlich verarschen freunde, ihr habt sie doch nicht mehr alle und ich bin auch noch drauf und dran euch das abzunehmen. ja ich hätte wirklich gerne chemie und physik etwas ausführlicher, aber dann könne ich das ja auch studieren, oder ich könnte mich in die wüste stellen und mich den rest meines lebens mit sandkörnern beschäftigen, oder mit felsen oder kieseln, das wäre genauso trocken und dann hätte ich wenigstens meine ruhe vor dieser ganzen scheiße hier…wie heißt das noch gleich? menschen und ähh leben und warte mal… wen interessieren eigentlich die kirschblüten? es ist doch genauso schön wie die sonne sich in den Sandkörnern bricht… moment mal - sonne? mann die blendet doch und außerdem könnte die meine forschungsbedingungen hier behindern… blödsinnige sonne, wer braucht die schon…
neeein…ich bin nicht in innere Konflikte verstrickt gewesen, nein quatsch, ich habe nicht daran gezweifelt ob mir mein studium genau soviel spass machen würde wie der spätere Beruf… das scheint nur so…
naja vielleicht ein wenig, ich war vielleicht wirklich ein bisschen hin- und her- gerissen und etwas verunsichert, ob das was ich machen möchte wirklich das Richtige für mich ist. Und ob ich nicht doch in anderen Bereichen ein wenig tiefer blicken möchte…
aber das hat sich jetzt dann doch erledigt. ich übe das mit dem “ich werde Ärztin” sagen noch ein bisschen und dann naja dann beschäftige ich mich weiter auf meine Weise mit dem Leben…
denn das ist es ja worum es geht, das Leben, ob man es nun von außen betrachtet oder von innen, ob man aktiv damit arbeitet, oder ob man es nur versucht zu verstehen. im Endeffekt zählt doch nur das Leben…unser wunderschönes, unbezahlbares Leben auf unserer unbeschreiblich schönen Erde. so ist es doch, auch wenn es sich kitschig anhört und alles gar nicht so wunderschön ist, aber es ist doch schließlich das einzige was wir haben.
und ob man dann Physik oder Medizin studiert….das hängt dann davon ab, wofür man seinen eigenen kleinen Teil Leben verwenden möchte.

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sommer, mucus, und überhaupt

Medizin Medizin, ich darf jetzt endlich Medizin studieren… freu ich mich? ja aber natürlich freu ich mich, bin total begeistert, endlich endlich hat das geklappt.muss mich ja freuen, wollte das doch unbedingt…
wollte ich doch oder? das hab ich mich doch tatsächlich gefragt als ich ende Januar wieder deutschen Boden betreten habe… warum? Freund arsch weit weg, Geld alles weg, nächste Ferien viel zu weit entfernt, viel zu wenig von der welt gesehen um sich jetzt schon zeitlich so zu beschränken…. schon irgendwie ein blödes gefühl
und ich weiß gar nciht ob ich alles so hinbekommen hätte, ob ich wieder auf ne grade bahn gekommen wäre wenn ich nicht einfach blind meinem plan gefolgt wäre: nach hause kommen, schlafen, vorstellungsgespräch, anfangen zu arbeiten, karneval und dann erstmal aufhören mit party, freiheit, nachdenken, einfach brav jeden morgen ins krankehaus wandern und das tun was zu tun ist… nach nem halben jahr ohne großartige geistige aktivität war das glaube ich tatsächlich der höhepunkt der hirnausschaltung.
gut so, sonst hätte ich wahrscheinlich meine 7 sachen gepackt und wäre einfach gefohen. aber so hatte ich riesen spaß, immer starr den blick auf diesen brief, so er denn käme und wenn dann doch mal wieder so ein “aber würdest du jetzt nicht lieber ….” gedanke kam dann wurde der sofort mit einem “mann dafür arbeitest du doch jetzt schon seit 3 jahren, natürlich würdest du nichts lieber als studieren!!!”
ob das jetzt so der wahrheit entspricht? ich hab keinen schimmer und es macht auch keinen unterschied, ich freu mich nämlich jetzt echt ich freu mich ich freu mich ich freu mich und ich freu mich jeden tag wieder. ich freu mich über moosblättchen und rRNA und über mucus und ich freu mich sogar über ableitungen und besonders natürlich über C’s und H’s und so…
obwohl vllt hört das da mit der freude schon wieder so langsam auf. ich plädiere für einen höheren Anteil Naturwissenschaften im Medizinstudium, ich will mehr wissenschaftliches denken und ich will Begeisterung für Physik à la Feynman und für chemie natürlich auch…trocken wird das studium sicher nciht, aber vllt. will ich ja ein bisschen trocken, dass mir jemand den stoff um die ohren haut und mich damit im regen stehen lässt…
wie kann das sein, dass ich ganz entspannt nach hause tingeln und mich über die blühenden Kirschen vor der Stadtbibliothek freuen kann statt Vokabeln pauken zu müssen?
ich sollte vorsichtig sein mit dem was ich mir wünsche und das mit den kirschbäumen hat ja auch nur was mit meinem freuen zu tun…
ich freu mich halt… es ist bald sommer ich darf studieren, ich darf endlich wieder was lernen und ich bin immernoch 20, und das leben ist so schön und außerdem blühen ja auch die bäume und der Raps und bald ist sommer und ich studieren und ich freu mich so ich freu mich so

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